1939 - 1982

Übersicht


1949    Dr. rer. pol. Heinz Brühne bis 1956 Bürgermeister von Ingelheim. 
            Die Ingelheimer Zeitung durfte wieder gedruckt werden.

1950    Einweihung des Stadions „Im Blumengarten“.
            Ingelheim hat 13.000 Einwohner.
            Mainz wird Landeshauptstadt.
            Eröffnung der Stadtbibliothek.

1951    Albert Boehringer wird erster Ehrenbürger der Stadt Ingelheim.

1954    Gründung der Rheinhessischen Energie- und Wasserversorgungs- GmbH.
            1. Hafenfest im Stadtteil Frei-Weinheim.

1956    Heinz Kühn Ingelheimer Bürgermeister 1957-1966.

1957    In Ingelheim leben 15.428 Einwohner.

    Eröffnung des Fridtjof-Nansen-Hauses.

    Bau von Einfachwohnungen hinter der Ohrenbrücke.

    Übernahme der Ingelheimer Zeitung durch Mainzer AZ.

    Einweihung Schützenhaus mit Schießanlage.

 

1959    1. Internationale Tage in Ingelheim (Französische und Schweizer Tage).

            Inbetriebnahme des neuen zentralen Postamtes und Selbstwählverkehr

            im Gebäude Bahnhof/Binger Straße.


1963    Städtepartnerschaften mit Autun und Stevenage werden geschlossen.

1966    Bürgermeister/Oberbürgermeister Hans Ulrich Oehlschlägel bis 1975.
            Eröffnung des städtischen Schwimmbades.

1968    Inbetriebnahme der Autofähre auf die andere Rheinseite nach Oestrich-Winkel.

1970    1. Flächennutzungsplan tritt in Kraft.

1971    Begründung der Partnerschaft mit Berlin-Kreuzberg.

    Zusammenschluss der beiden Ingelheimer Winzergenossenschaften zur

    Bezirkswinzergenossenschaft Kaiserpfalz.


1972    Verwaltungsreform:

Auflösung des Kreises Bingen, die Stadt Ingelheim kommt zum Regierungsbezirk Rheinhessen-Pfalz, Landkreis Mainz-Bingen. Der Nachbarort Groß-Winternheim wird auf eigenen Wunsch nach Ingelheim eingemeindet. Die Stadt Ingelheim am Rhein besteht aus den Gemarkungen: Ober-Ingelheim, Nieder-Ingelheim mit Sporkenheim und Ingelheim West, Frei-Weinheim und Groß-Winternheim.


1976    Anno Vey Oberbürgermeister bis 1996.

1977    Weiterbildungszentrum (WBZ) entsteht durch den Zusammenschluss der

            Volkshochschule, der Fridjof-Nansen-Akademie für politische Bildung, des

            Jugendbildungswerkes und der Musikschule.

1980    Schließung der Nebenstelle des Amtsgerichts im Neuweg.

    Baubeginn des neuen Verwaltungszentrums (Grundsteinlegung am 2. 10.1980)
    auf dem ehemaligen Gelände der Ingelheimer Maschinenfabrik an der Binger
    Straße.

Die Notwendigkeit eines zeitgemäßen Verwaltungs- und Geschäftszentrums im Mittelpunkt Ingelheims wurde über Jahre hinweg diskutiert. Viele Schwierigkeiten und auch Vorurteile in der Bevölkerung waren zu überwinden, bis die Planung eines modernen Behördenhauses, das sich auch in die Stadt einpasst und diese prägt, abgeschlossen und mit dem Bau begonnen werden konnte. Es sollte eine Kommunalverwaltung geschaffen werden, bei der der Bürger behördliche Besorgungen in einem Gang erledigt und nicht, wie für viele Jahre üblich, teilweise zu Ämtern in entfernt gelegenen Gebäuden seinen Weg gehen musste. Der Standort des Rathauses nahe des  Mittelpunkt der Stadt war im Zusammenhang mit der Planung eine sehr wichtige Frage, die mit dem Bau an zentraler Stelle der Stadt ihre Antwort fand. Der Bau des Verwaltungs- und Geschäftszentrums brachte für die Stadt Ingelheim weitere Impulse zur Verbesserung zentraler Einkaufsmöglichkeiten und damit der Wirtschaftskraft.


1981    Verleihung der Europafahne an die Stadt Ingelheim durch den Europarat.

 

 

 

Die "Stadtgründung" 1939

Für die Bürger der Stadtteile Ober-Ingelheim, Nieder-Ingelheim (mit dem Weiler Sporkenheim) und  Frei-Weinheim hatte die diktatorische Politik der NSDAP nachhaltige Folgen. Mit Erlass des Gauleiters vom 14. Dezember 1938 sind die bis dahin selbständigen Gemeinden zur Stadt Ingelheim am Rhein mit Wirkung vom 1.  April 1939 vereint worden. Somit gilt der 1. April 1939 als Gründungsdatum der Stadt Ingelheim am Rhein. Offiziell wurden am Vorabend dem 31. März der Stadt in einer öffentlichen Feier vor dem Rathaus Nieder-Ingelheim die Stadtrechte verliehen. Dieser staatliche Akt geschah jedoch keineswegs gegen den Willen der Gesamtbevölkerung. Jahrhunderte lange Gemeinsamkeiten der drei Dörfer, trotz turbulenter Gegensätzlichkeit in der Vorgeschichte, ließen immer wieder den Wunsch nach politischer Gemeinsamkeit laut werden.

 

"Weitblick der Gedanken"

Rückblickend aus Anlass des 50. Jahrestages der Stadt Ingelheim heißt es im Heft des Historischen Vereins „Damit ist offensichtlich, dass der Zusammenschluss der Ursprungsdörfer von deren Geschichte mit einer eindrucksvollen Fülle gemeinsamer Bezüge her beurteilt, als ein Akt von längst überfälliger Zwangsläufigkeit sich darstellt, von der Industriedominanz her als dringliches Gebot wirtschaftlicher und bevölkerungspolitischer Notwendigkeit." Im Jahr 1925 wurde bereits ernstlich über ein Zusammengehen in den Gemeinderäten heftig diskutiert. Weiter heißt es: „Die Gemeinden Ober- und Nieder-Ingelheim stehen an einem wichtigen Abschnitt ihrer Entwicklung. Ober-Ingelheim hat für künftige Jahre die Wahl eines Berufsbürgermeisters beschlossen und Nieder-Ingelheim die Vereinigung angetragen. Dieser Entschluss zeugt von einem Weitblick der Gedanken, (…) weil er den Forderungen des Zeitgeistes Rechnung trägt.“ Lokal geprägte Streitereien zwischen den Gemeinden hielten unvermindert in teilweise skurrilen Formen an. Man sprach von einem „Lokalkrieg“. Bis 1939 änderte daran auch der Nationalsozialismus mit seinen Einheitsbestrebungen nichts.

Die Gesamtfläche der Stadt Ingelheim betrug mit dem Zusammenschluss der drei Gemeinden (gerundet) 44 km², davon entfielen auf

  • Frei-Weinheim 4 km²
  • Nieder-Ingelheim 27 km²
  • Ober-Ingelheim 13 km²

Mit der Eingemeindung von Groß-Winternheim im Jahr 1972 (Gemarkungsfläche rund 6 km²) vergrößerte sich die Gesamtfläche der Stadt auf 49,86 km².

 

Die "Stadtmitte"

Ingelheim erhielt mit der Stadtgründung nun auch einen Stadtmittelpunkt. Im Schreiben vom 7. November 1939 „Die Stadt Ingelheim a. Rhein; hier: kartenmässige Festlegung der Ortsmitte der Stadt Ingelheim“ schreibt der Landrat:

„Durch Verfügung des Reichsstatthalters – Landesregierung – Abt. III vom 4. Oktober 1939 zu No. III 50760 ist folgendes bestimmt:
Als neuer Mittelpunkt der Stadt Ingelheim a. Rhein (Ortsmitte) wird der Punkt bei Kilometer 16 der Ortsdurchfahrt der Fernverkehrsstrasse 9 an der Kreuzung der Bahnhofstrasse und Bingerstrasse festgesetzt.“ (StAI, Rep. III.20)

Bis zum Beginn des 2. Weltkriegs am 1. September 1939 war Ingelheim für ein halbes Jahr eine vermeintlich friedliche Stadt. Ihre bauliche Entwicklung zu einer homogenen Stadt mit einem städtischen Mittelpunkt konnte aufgrund des beginnenden Krieges nicht realisiert werden. Nur wenige bauliche Maßnahmen wurden realisiert: das bereits bestehende Krankenhaus nach größerem Umbau am 3.4.1939 eingeweiht, Maehler & Kaege errichtet einen Fabrik-Erweiterungsbau in der Binger Str., Boehringer Ingelheim baut in der Freiweinheimer Str. eine Siedlung mit 12 Häusern und ein Versuchslabor mit Luftschutzkeller in der Binger Str. 173. Die Pestalozzischule wird zwischen 1940 und 1945 zum Lazarett umfunktioniert.

Ingelheimer Kriegsjahre

Ingelheimer Industriebetriebe sind im 2. Weltkrieg als nichtkriegswichtig eingestuft, somit blieb der Stadt eine Totalzerstörung durch gezielte Bombenabwürfe der alliierten Luftwaffe erspart. Den Jahreswechsel von 1943 auf 1944 verlebten die Ingelheimer, wie die meisten deutschen, in gedrückter Stimmung. Immer mehr Familienväter und Söhne waren und wurden Soldaten. Die Zahl der Gefallenen, Vermissten und in Gefangenschaft geratenen stieg unaufhaltsam. Es gab kaum mehr eine Familie in Ingelheim, die keine Verluste zu beklagen hatte. Bereits am 20. März 1945 ist dieser verheerende Krieg für die Stadt und ihre Bewohner durch das Vorrücken amerikanischer Truppen beendet. Die Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde in Berlin am 8. Mai 1945 dokumentiert das endgültige Ende des 2. Weltkriegs in Europa. Ingelheim verzeichnete 572 gefallene und 98 vermisste Bürger.

Wenn somit bereits am 1. April 1939 die Stadt Ingelheim de facto entstanden war, so kann 1939 auf keinen Fall von einer demokratischen Selbstverwaltung durch Gemeinderat und Bürgermeister gesprochen werden. Am 15. Januar 1947 wurde die Stadtgründung vom ersten frei gewählten demokratischen Ingelheimer Stadtrat durch einstimmigen Beschluss nachträglich sanktioniert.

Ingelheimer Nachkriegsjahre

Als erster Bürgermeister lenkte der am 14.4.1945 vom amerikanischen Kommandanten eingesetzte Georg Schick die Geschicke der Stadt nur wenige Wochen. Ab Juli 1945 übernahm er das Landratsamt. Die ersten demokratischen Wahlen für die kommunalen Körperschaften fanden in den Gemeinden und Kreisen am 15. September und 13. Oktober 1946 statt. Dr. Georg Rückert wurde Ingelheims erster frei gewählter Bürgermeister. Im Dezember 1946 wurde er von dem vorläufigen Ministerpräsidenten Dr. Boden zum Regierungspräsidenten von Rheinhessen berufen. Dieses Amt trat er am 15. Februar 1947 an und führte bis März 1949 auch die Geschäfte des Bürgermeisters der Stadt Ingelheim weiter, da bis dahin ein Nachfolger nicht gefunden werden konnte.

Große Not und viel Leid hatten auch die Ingelheimer zu tragen und zu überwinden. Dabei hatte die junge Stadt jedoch das seltene Glück, in ihrem Gebäudebestand hinsichtlich des Wohnens, Wirtschaftens und industriellen Produzierens die Jahre 1939-1945 fast unversehrt zu überstehen. Durch die Aufnahme von ausgebombten und evakuierten Mainzern war die Stadt Ingelheim gezwungen eine außerordentlich große Last zu bewältigen, indem zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden musste. Bürgermeister Rückert war berechtigt Mieter in Wohn- und Geschäftsräume einzuweisen und Wohnungen zu beschlagnahmen. Aufgrund der großen Wohnungsnot konnte ein Zuzug in die Stadt Ingelheim verboten, Zuwiderhandlungen mit der sofortigen Ausweisung geahndet werden.

Am 5. Juni 1945 hatte der Alliierte Kontrollrat beschlossen, Deutschland in vier Besatzungszonen einzuteilen. Die Westzone erhielt die Französische Republik. Rheinhessen und Ingelheim wurden nach der Französischen Revolution und dem 1. Weltkrieg wiederholt durch Frankreich regiert.

Das Leben geht weiter

Die wesentlichste Grundlage für die Stadt Ingelheim war in dieser Zeit die Wiederbelebung der Wirtschaft. Die in Ingelheim angesiedelten Industrien hatten glücklicherweise keine größeren Zerstörungen erlitten. Die chemischen Betriebe arbeiteten im ersten Jahr nach dem Krieg bereits wieder zu 60 Prozent, die Maschinen- und elektronische Industrie zu 50 Prozent. Ab 1. Oktober 1945 konnten die Kinder auch wieder die Schulen besuchen. Die Militärregierung hatte die Genehmigung auch für die Berufsschule erteilt. Auch mussten neue Kindergärten geschaffen werden, damit vor allem die Frauen entlastet wurden, die als vollwertige Arbeitskräfte in Landwirtschaft und Industrie tätig waren. Mit Verfügung vom Dezember 1945 hatte die französische Militärregierung zwei Verordnungen erlassen. Die Verfügung Nr. 22 regelte das Vereins- und Sportleben. ab April 1946 die Grundlage für neu zu gründende demokratische Vereine geschaffen. Die Verfügung Nr. 23 war Grundlage für die Entfaltung des politischen Lebens. Artikel 1 dieser Verordnung bestimmte über „die Gründung politischer Parteien demokratischen und antinationalsozialistischen Charakters“.

 

Ingelheimer Haushalt

Das gesamte städtische Vermögen betrug 3.311.175,00 RM. In dieser Summe waren an Rücklagen 1.000,173,00 RM enthalten. Die Schulden betrugen 388.944,00 RM für die jährlich eine Tilgung von 17.183,00 RM aufzubringen waren. Die Hebesätze der städtischen Steuern waren als niedrig und unter dem Landesdurchschnitt stehend zu bezeichnen. Die Stadt stand somit auf einer gesunden finanziellen Grundlage. Für die Jahre 1945 und 1946 konnte der Haushalt  ausgeglichen werden.

Das Rotweinfest – schon immer Garant für ausgelassene Fröhlichkeit

Am 28. und 29. September 1947 feierten die Ingelheimer das 1. Winzerfest (Rotweinfest) nach dem 2. Weltkrieg. Das Festprogramm sorgte dafür, dass die Ingelheimer trotz aller Sorgen und Nöte diese beiden Tage in fröhlicher Stimmung verbrachten. Die französische Militärregierung erlaubte den Ausschank von Wein aus den blockierten Beständen der Ingelheimer Winzer und Weinhändler.

1948 fand aus Anlass der tausendjährigen Wiederkehr der Reichssynode Kaiser Ottos zu Ingelheim anno 948 eine Synode statt, die von Historiker Prof. Dr. Erler mit weiteren Ingelheimer initiiert wurde. Mit dieser Synode konnte den historisch interessierten Bürgern der Stadt ein umfassendes Bild von der Bedeutung Ingelheims in der mittelalterlichen Geschichte vermittelt werden. Die Eröffnung der Synode fand vor Vertretern von Politik und Kultur in der Turnhalle zu Nieder-Ingelheim statt.

Ingelheimer "Wirtschaftswunder"

Am 20. Juni 1948 trat die Währungsreform in Kraft. Gemeinsam verkündeten die Militärregierungen Großbritanniens, den Vereinigten Staaten von Amerika und Frankreich die Neuordnung des deutschen Geldwesens. Die bis dahin gültige Währung wurde ungültig. Das neue Geld heißt „Die Deutsche Mark“. Zunächst erhielt jeder Einwohner der drei Westzonen 60 Deutsche Mark im Umtausch gegen 60 Reichsmark, davon wurden 40 DM sofort ausbezahlt, die übrigen 20 DM einen Monat später. Die Währungsreform war die Grundlage einer wirtschaftlichen Gesundung. Es gab wieder alles zu kaufen und „Das deutsche Wirtschaftswunder“ begann. Die „soziale Marktwirtschaft“ löste die „Zwangswirtschaft“ ab. Der Haushalt der Stadt Ingelheim verbuchte nach der Währungsreform 248.000,00 DM als Erstausstattung.

Quelle: Stadtarchiv Ingelheim/Barbara Timm

 

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